AJN.ch - über den Wahnsinn
AJN.ch - über den Wahnsinn
Als Wahnsinn oder Verrücktheit wird in der Geschichte des Abendlandes bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und bis heute für bestimmte Verhaltens- oder Denkmuster bezeichnet, welche nicht zur gegenwärtig akzeptierten sozialen Norm paßten.
Dabei bestimmen stets gesellschaftliche Normen,
was jeweils genau als „Wahnsinn“ verstanden wurde.
Der Begriff Wahnsinn konnte hierbei für bloße Abweichungen von den Konventionen (vgl. lat. delirare aus de lira ire,
ursprünglich landwirtschaftlich „von der geraden Furche abweichen, aus
der Spur geraten“), für geistige Störungen, bei denen ein Mensch bei vergleichsweise normaler Verstandesfunktion an krankhaften Einbildungen
litt, bis hin zur Kennzeichnung völlig bizarrer und
(selbst-)zerstörerischer Handlungen verwendet werden.
Wahnsinn als Krankheit
Auch Krankheitssymptome, wie etwa jene der Epilepsie oder eines Schädel-Hirn-Traumas, wurden bis ins späte 19 Jahrhundert zeitweilig als Wahnsinn bezeichnet.
Weil der Begriff des „Wahnsinns“ in Europa historisch zum einen in verschiedenen Zusammenhängen mit jeweils unterschiedlichen Bedeutungen verwandt
wurde, er zum anderen rückblickend auf verschiedene Phänomene
angewandt wird, ist er ein medizin- und kulturgeschichtlich
nur schwer eingrenzbares, kaum zu definierendes und zum Teil
widersprüchliches Phänomen.
Welche Normabweichungen noch als
„Verschrobenheit“ akzeptiert wurden und welche bereits als „verrückt“
bzw. "wahnsinnig" galten, konnte sich abhängig von Region, Zeit und sozialen
Gegebenheiten erheblich unterscheiden.
Aus diesem Grunde lassen sich heutige Krankheitskriterien und -bezeichnungen in der Regel nicht auf die historischen Ausprägungen von Wahnsinn anwenden.
Mißbrauch des Begriffs Wahnsinn
Der Begriff Wahnsinn konnte und kann aber auch bewußt zur gezielten Ausgrenzung mißbraucht werden (wie in späterer Zeit z. B. durch die Psychiatrisierung der Dissidenten in der Sowjetunion geschehen).
Login Letzte Änderung:
July 06. 2010 20:16:10
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